Masterclass "Headshots" mit Thorsten Rother

03.10.2018


35 Grad, Smog, Lärm einer zahllosen Menge an Menschen, undefinierbare Gerüche. Nicht selten waren die langen Transferfahrten auf meiner letzten Reise in Indien nicht nur lästiges Übel, sondern auch eine Möglichkeit mal kurz den “Pause”-Button zu drücken und aus dem heillosen Chaos da draußen auszusteigen. Auf eben so einer Fahrt von Mumbai in Richtung Kochi gelang mir ein (für mich immer noch Highlight-) Shot dieses Aufenthalts: Das Porträt eines älteren Mannes das mich immer noch auf eine gewisse Art berührt. Der Herr sprach mich bei einer kurzen Fahrpause an: “Ob ich ihn mal fotografieren wollen würde?” Nicht gegen Geld, er hätte einfach Lust darauf auf einem Foto festgehalten zu werden. Diesen Ausdruck in Gesicht und Augen bekommt kein Model der Welt auf Knopfdruck hin und doch lies mich der Gedanke nicht los, so etwas in der Art reproduzierbar machen zu wollen. Und hier war es: Das gesuchte fotografische Erweiterungsfeld, das mein neues Motto komplettieren sollten: Portraits & Stories.

Zurück in Deutschland beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema. Ich suchte nach einer so simplen wie raffinierten Umsetzung und einer Bildästhetik, die sich auch in meinen Reportagen wiederfand. Quasi etwas Artverwandtes, was ebenso in Farbe wie in Schwarzweiß funktioniert. Nach Tagen voll von Gedankensortieren und Abwägen verschiedener Ideen hatte ich es: Es sollten sogenannte Headshots werden. Alle in Hochkant und mit weißem oder schwarzem Hintergrund, jeweils ein Bild in Farbe oder Schwarz-weiß. Als Lichtquelle entschied ich mich dafür, ausschließlich Tageslicht zu benutzen. 

Der Stil, den ich umsetzen will, ist natürlich, offenblendig und modern – das alles ohne große Beautyretuschen. Diese Art der Retusche würden die Headshots nur trivialer wirken lassen. Ich will die Wahrheit. Echte Gesichter – ob jung, alt, Mann oder Frau. Das setzte allerdings ein gutes Hautbild der Protagonisten voraus, von welchem ich mich beim Casting für die erste Produktion selbst überzeugen wollte. In Zusammenarbeit mit einer bekannten Münchner Agentur schauten wir uns ungefähr 35 Modelle für die geplante Strecke an. Mein Plan war es, 10 Personen für die Headshots-Strecke zu finden, was sich nach der Sichtung auch eher als eine Punktlandung als die Qual der Wahl herausstellte. Ich wolle schließlich auch eine charakterliche Vielfalt darstellen und keine Aneinanderreihung auswechselbarer “Schönheiten”.

Für die Umsetzung hatte ich ein schönes, großzügiges Studio im Glockenbachviertel angemietet, was nicht nur die Voraussetzungen für die gewünschten Lichtverhältnisse optimal erfüllte. Vielmehr berücksichtigte die Wahl noch einen anderen Aspekt, der mir bei meiner Arbeit immer wichtig ist: der Wohlfühlfaktor für alle Beteiligten. An meinen Sets ist stets eine familiäre Atmosphäre, was mir persönlich für meine Stimmung wichtig, aber noch wichtiger für die Protagonisten ist. Es ist der erste Schritt, praktisch das Fundament, um dann beim Abbilden selbst von Ihnen zu bekommen, was die Motive brauchen.

Mein Werkzeug war hochwertig, alles andere war auf das Nötigste beschränkt. Keine großen Aufbauten, keine Blitzer oder Lampenschirme. Einzig ein kleiner Hintergrund am Fenster, eine Markierung am Boden und ein großer silberner Reflektor warteten auf die Modelle. Mein Team bestand aus 3 Assistenten und einer Visagistin. Ich arbeite stets mit der gleichen Crew, was mittlerweile ein fast blindes Zusammenarbeiten ermöglicht.

Ein Portraitshooting ist oft wie ein Tanz. Auf der einen Seite braucht es Führung, auf der anderen Seite muss man als Fotograf auch loslassen können. Die meisten Menschen sind einem ja doch fremd, es gab im besten Falle einen kurzen Erstkontakt bei einem Casting, manchmal auch selbst das nicht. So weiß man oft nicht, wer da eigentlich durch die Tür kommt. Dass mich heute eher die Wahrheit, der Mensch an sich, interessiert und keine gekünstelte Situation oder das sogenannte Posing ist für viele doch recht ungewöhnlich, da ich oberflächlich wenig bis gar nichts von ihnen verlange. Ja, ich fordere regelrecht zum Nichtstun auf! Sagen wir es so, ich komme zu meinem Motiv oft mit dem Mittel der “freundlichen” Manipulation. Meist brauche ich nicht länger als 15 Minuten reine Schusszeit, mal etwas mehr, mal weniger. Und klar, könnte ich aber auch einen Staatsmann in 30 Sekunden ablichten, wenn es nicht anders geht.

 

Thorsten Rother bringt sein neues Buch mit.

Es ist so weit - viel Buch auf 320 Seiten. Ich freue mich sehr, dass meine bekannten Headshots das Cover zieren. Die komplette Serie findet ihr natürlich in diesem Werk. Erscheinen wird der Bildband am 21. März 2018, man kann diesen bei mir jetzt schon per WhatsApp versandkostenfrei innerhalb Deutschlands vorbestellen. 0176-21756036

Wer mag bekommt sein Exemplar gerne wieder signiert. Querformat 30 x 24 cm im Hardcover mit Teil-UV-Lackierung, 135g schweres Papier seidenmatt, 320 Seiten, der Preis: 49,50€ zzgl. Versandkosten. Dieses Buch ist in Kooperation mit fünf weiteren Kollegen entstanden. Wir arbeiten fast alle in unterschiedlichen Genres und berichten von unseren fotografischen Ansätzen, der täglichen Arbeit und auch aus unserem privaten Leben. Fotograf werden, sein und leben wird hier genauestens beschrieben. So unterschiedlich wir sind - was uns alle samt vereint ist die Neugierde und Liebe zur Fotografie. 

 

Dieser Kurs richtet sich an ambitionierte Fotografen!

 

Über Thorsten Rother:

Thorsten Rother geboren 1970 in Osnabrück, hatte im Alter von 5 Jahren seine ersten Berührungspunkte mit einem visuellen Medium in Form einer alten Kodak Instamatic Kamera. Als seine Eltern ihn auf einer gemeinsamen Urlaubsreise mit dieser und ein paar Diafilmen ausstatteten, legten sie so den Grundstein für eine Begebenheit, welche sich auf folgenden Reisen wiederholen sollte. Nach Schulabschluss absolvierte Thorsten zuerst eine kaufmännische Ausbildung in der Werbebranche. Direkt danach zog es ihn jedoch bereits in die Selbständigkeit. Zusammen mit einem Freund gründete er eine Event- und Werbeagentur.

Die Liebe zum Bild ließ ihn dennoch nicht los. Im Alter von 26 Jahren wechselte Thorsten die Branche und ging in die Fotografie. Seine Karriere begann als Fotoassistent bei einigen bekannten Fotografen, wodurch er sehr viel an Erfahrung für die folgenden Jahre sammeln konnte. Seit 2000 ist er unter seinem eigenem Namen in der Branche unterwegs. Anfangs überwiegend im Bereich Editorial, ab 2004 konzentrierte sich Thorsten zunehmend mehr auf die Werbefotografie und stieg schnell in den Kreis der bekannten Namen auf.

2008 erweiterte sich das Arbeitsspektrum auf Bewegtbilder. Begonnen mit der Produktion einfacher Multimedia-Inhalte für Magazine, entwickelte sich aber hier seine Fähigkeiten so, dass er die Herausforderung in komplexeren Aufträgen suchte. Heute arbeitet Thorsten auch als Regisseur und Kameramann im Bereich des Werbe- und Dokumentarfilms, besonders spezialisiert ist er auf Mini-Dokumentationen und Multimedia-Inhalte

Im Jahr 2012 konnte sich Thorsten einen fotografischen Traum erfüllen. Er fotografierte seinen ersten Bildband als Auftragsproduktion, bei der ihm der Auftraggeber komplett fotografische Freiheit gewährte. So erschien 2013 der Bildband “Der Tischler aus dem Teutoburger Wald”, der sofort vergriffen war. Mit dieser Produktion erwachte in ihm der erste Wunsch wieder, vermehrt “einfacher” damit aber auch wieder “echter” zu arbeiten. Zeitgleich brachen schleichend neue Zeiten in der Werbefotografie an – der künstlich aufgebaute Kostendruck und die Arbeitsweisen veränderten sich zunehmend.

Anfang 2016 begann schließlich eine beispiellose Zersetzung des “klassischen fotografischen” Werbemarkts, der bist heute anhält. Thorsten stellte sich auch dieser Herausforderung und sein komplettes Tun und Handeln stand auf den Prüfstand. Er brach mit überholten Arbeitsgewohnheiten, kehrte fotografisch zu seinen Wurzeln zurück, ließ aber dennoch die Gegenwart einziehen und wandte sich verstärkt den Sozialen Plattformen wie Instagram und Facebook zu.

Seit 2017 kombiniert Thorsten seine Portrait- &  Reportage- Fotografie mit Video, Audio und Text, und erstellt so plattformübergreifendes Visual Storytelling. Die “Geschichte als Ausdrucksform” – eindrucksvoll und aussagekräftig lassen sich diese Inhalte in nahezu allen Kanälen perfekt kombinieren. Die theoretische Botschaft wird so dank Aktivierung (fast) aller Sinne zu einem emotionalen Erlebnis.

Nach mehreren Gastaufritten erschien 2018 Thorstens eigener Podcast “Die Idee der Fotografie”, in kurzen Feature Folgen gibt er hier offene Einblicke in sein fotografisches Schaffen. Schon mit der 1. Folge stieg er als höchster Neueinsteiger zum Jahreswechsel in die deutschen Podcast-Charts ein und konnte sich einen festen Platz unter den Fotografen-Podcastern sichern. In der 1. Staffel nimmt Thorsten seine Zuhörer auf eine Reise nach Japan mit. Er ist im Bereich der professionellen Fotografie bestens vernetzt und inzwischen auch als Kooperations- und Interviewpartner tätig.

Der Mensch innerhalb seines Lebensgefühls steht bei ihm fotografisch im Fokus und genau das spiegeln auch seine Bilder wider. Authentizität sollte kein Werbeslogan sein, sondern bedarf, wie das Wort schon sagt, etwas Echtem – den einen kurzen besonderen Moment, den man in einem Foto einfängt.

 

Kursinhalt:
Der perfekte "Headshot" und seine Inszenierung. 
In diesem Workshop lernt ihr nicht nur Thorsten Rothers Set Aufbau und seinen Workflow, sondern erfahrt den wesentlichen Unterschied zwischen einem normalen Portrait und einem perfekten Headshot. Wie arbeite ich die charakteristischen Eigenschaften eines Menschen heraus und entwickle daraus ein bildgewaltiges Foto.

Anhand von zwei Modellen (Frau/Mann) zeigt Euch Thorsten Rother ohne aufwändige Blitz Setups lediglich mit natürlichem Licht arbeitend alle notwendigen Schritte um zu einem perfekten Ergebnis zu kommen. Selbstverständlich werden alle Teilnehmer anschließend das Gezeigte mit den Modellen umsetzen. Nach dem Kurs hat jeder das notwendige Know-How um selbst einzigartige Headshots zu kreieren.

 

Unsere Modelle:

Tijana: http://www.martinduerr.com/tijana

Simon: https://www.instagram.com/simon_rii/

 

Voraussetzungen:

 

- digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera mit  manuellen Einstellungsmöglichkeiten

- Einbeinstativ (falls vorhanden)

- selbständiger Umgang mit der eigenen Kamera

- aufgeladener Akku und leere Speicherkarte

- Schreibzeug


Preis: € 269,00
Im Preis inbegriffen sind:
- nicht-kommerzielle Bildrechte
- Studio / Location
- Snacks & Softdrinks

- Modelhonorar
Veranstaltungsleiter: Thorsten Rother
Veranstaltungsort: Oggersheimerstrasse 4, 81539 München

Max. 6-8 Teilnehmer


Termin: Mittwoch 03.10.2018, 11.00 Uhr - 17:00 Uhr (inkl. Mittagspause)


Die Hälfte der Seminar Gebühr ist mit der Anmeldung als Anzahlung fällig, die Restzahlung bis 10 Tage vor Kursbeginn.
Bei zu geringer Teilnehmerzahl behalten wir uns eine Absage der Veranstaltung vor.
Die Anmeldung zum Workshop ist verbindlich.

Es gelten unsere AGB's. (https://www.photographie-workshops.de/home/agb/)

Mindesteilnahmealter 18 Jahre

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